Körperbewusstsein als Spitzensportlerin // IRIS ambassador

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Da bin ich wieder mit einem neuen Artikel! Aber zuerst ein kurzes Update: Ich befinde mich zur Zeit im Höhentrainingslager in St. Moritz (Schweiz) und bereite mich auf meine Saison vor. Vorbereiten? Es ist Juni, die Saison ist in vollem Gange. Stimmt, aber aufgrund einer Verletzung brauche ich dieses Jahr länger, um fit an die Startlinie zu kommen.
Verletzungen gehören leider zum professionellen (und nicht-professionellen) Sport dazu und haben auch mit dem heutigen Thema zu tun. Ich möchte euch von meinen Erfahrungen mit meinem Körperbild, dem Gesundsein und dem Körpervertrauen erzählen.
Wenn du gerade mit deinem Körperbild und deiner Selbstsicherheit in Bezug auf deinen Körper zu kämpfen hast, könnte dieser Artikel möglicherweise kontraproduktiv sein.


Meine Erfahrungen

Als Leistungssportlerin wird mein Körper schon immer von mir und anderen beurteilt. Ich kann nur aus meiner eigenen Perspektive sprechen, aber ich denke, dass Menschen ohne sportlichen Hintergrund sehr ähnliche Erfahrungen machen.
Das erste Mal, an dass ich mich erinnere eine Meinung von meinem Aussehen zu haben, liegt etwa zehn Jahre zurück (da war ich zehn:). Nicht im negativen Sinne, Menschen beschrieben mich als muskulös, als „kleines Kraftpaket“. Damals hat mir das gefallen! Es gab mir das Gefühl, überlegen zu sein.
Zum ersten Mal negativ wahrgenommen habe ich meinen Körper, als ich etwa fünfzehn Jahre alt war und jemand auf meine breiten Schultern hinwies. Das hat mich als Heranwachsende wirklich gestört, denn ich wollte wirklich nicht anders sein oder (omg, stellt euch vor) mit einer männlich wirkenden Eigenschaft in Verbindung gebracht werden.
Zum Glück hat mich das nicht nachhaltig beeinflusst, da ich als Sportlerin erfolgreich war und mein Selbstbewusstsein darauf aufbauen konnte.
Aber Monat nach Monat begann mein Gehirn, eine direkte Verbindung zwischen Aussehen und Leistung herzustellen. Und genau da liegt meiner Erfahrung nach das Problem.
Ich trainiere nicht, um eine bestimmte Art und Weise auszusehen. Ich trainiere, um im Wettkampf mein Bestes zu geben. Mein Aussehen ist ein Nebenprodukt davon.
Dazu kommt, dass ich ein Teenager mit einem sich entwickelnden Gehirn war – das war eine ganze Menge.
Die kleine Katharina mochte ihren Körper, weil er stark und schnell war und mir erlaubte, alles zu tun, was ich wollte. Das Problem entstand, als ich anfing, darauf zu hören, was andere von meinen Körper dachten.
Na ja, dann lass es doch einfach. Leichter gesagt als getan!

Ein weiterer Faktor: Verletzungen – hier schlagen wir den Bogen zum Anfang;)

Ein großer Teil meiner Identität basiert auf meiner sportlichen Karriere. Wenn ich nicht an Wettkämpfen teilnehmen und trainieren kann, verändert sich zwangsläufig das Gefühl und das Aussehen meines Körpers. Und da ich mich über den Sport definiere, definiere ich mich auch über meinen Körper. Gerade deshalb versuche ich, mit meinem Körper gnädig zu sein und ihm die Möglichkeit zu geben, sich richtig zu erholen. Dies ist unglaublich wichtig für eine lange und gesunde Karriere.

Ich denke, dass ich heutzutage ein gutes Verhältnis zu meinem Körper habe, aber manchmal rutsche ich dann doch mal aus.
Paradebeispiele dafür sind, dass ich schon mehr als einmal gezögert habe, ein Foto von mir zu posten, auf dem ich meiner Meinung nach nicht fit genug aussah (uff) und dass ich nach schlechten Rennen den Fehler beim Gewicht gesucht habe. Versteht mich nicht falsch, es ist wichtig, Rennen zu reflektieren – aber von Leistung unmittelbar auf Gewicht zu schließen? Eher nicht.

Jetzt habt ihr also einen sehr detaillierten Einblick in meine Gedanken und Gefühle bekommen, was mich irgendwie verletzlich macht. Aber ich denke, wir müssen mehr über diese Themen sprechen. Was habe ich also getan, was tue ich und was könnt ihr tun, um einen besseren Umgang mit eurem Körperbild zu pflegen?

  • Sprich die Leute auf den Müll, den sie verzapfen an! Es ist viel zu normal, dass Menschen den Körper anderer Menschen kritisieren. Wenn ich jemanden dabei erwische, wie er oder sie negativ über den Körper einer anderen Person spricht, versuche ich, dass diese Person sich möglichst unangenehm berührt fühlt:) Erstens ist es no one’s business, zweitens schafft es eine Atmosphäre, in der ich mich nicht wohl fühle und Unsicherheiten entstehen.
  • Schaffe ein positives Umfeld – das bezieht sich auf deinen Instagram-Account (unfollow!) und negative Kommentare (sag es ihnen!). Niemand braucht Input, der einen schlechter über sich selbst fühlen lässt.
  • Hinterfrage deine eigenen Überzeugungen – klingt super allgemein, ich weiß! Aber hier ist ein Beispiel: ich habe ein bestimmtes Bild in meinem Kopf, wenn ich an eine schnelle Triathletin denke. Aber es gibt nicht die eine Art und Weise, wie man aussehen muss, um schnell zu sein – zum Glück.
  • Übe, dich über andere Dinge als deinen Körper zu definieren – wenn dein Selbstvertrauen auf dem Aussehen deines Körpers beruht, wird es mit den Veränderungen deines Körpers schwanken. Und dass sich der Körper verändert, ist ganz normal.
  • Fake it till you make it – ich glaube nicht, dass es möglich ist, immer zu 100 % körperselbstbewusst zu sein, aber das bedeutet nicht, dass man nicht so tun kann, als ob man es wäre:)
  • Grenzen setzen – Ich weiß zum Beispiel, dass es für mich nicht förderlich wäre, Kalorien zu zählen. Also tue ich es nicht. Die richtige Ernährung ist wichtig, aber für mich würden die Nachteile, wenn ich mich zu sehr auf meine Kalorienzufuhr konzentriere, die Vorteile überwiegen. Es gibt aber viele Bereiche, auf die das zutreffen könnte.
  • Rede mit anderen! Du bist nicht allein und viele Frauen (und Männer) haben damit zu kämpfen.

Gesundheit geht über alles!

Zum Abschluss dieses Artikels möchte ich kurz darauf hinweisen, dass die Gesundheit über allem anderen steht. Frauen in meinem Sport neigen dazu, ihr Gewicht reduzieren zu wollen. Wenn das nicht richtig gemacht wird, ist es ein Garant für Unterernährung, was das Verletzungsrisiko (auch langfristig) physisch und psychisch erhöht. Red-S ist hier nur eines der Stichwörter.

Empfehlungen

  • The Female Athlete Podcast – den empfehle ich immer wieder gerne:)
  • Generation F’s Dokumentation über Julia Mrozinski, eine deutsche Schwimmerin
  • Roar von Stacy Sims
  • Period of the Period – Evidence Based Education and Support
  • Jennis App – Movement that’s synced to your unique hormonal cycle

Ich hoffe dieser Artikel hat dir ein paar Einblicke gegeben, ich freue mich immer über Feedback – am liebsten über meinen Instagram Account.

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